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Ricarda Huch / Photo / before 1910
Huch, Ricarda; writer.
Braunschweig 18.7.1864 – Schönberg im Taunus 17.11.1947.

Portrait.

Aft. photograph, before 1910.
Fr.: O.Hauser, Weltgeschichte der Literatur,...
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RICARDA HUCH (1864 - 1947)
17. November 2022 - 75. Todestag

„Rebellin des Gewissens“ und laut Thomas Mann „die erste Frau Deutschlands, … die erste Europas“

Die Schriftstellerin und Historikerin Ricarda Huch, die 1864 in Braunschweig geboren wurde, verstarb am 17. November 1947 in Schönberg im Taunus.

Seit 1888 studierte sie Geschichte und Philosophie an der Universität Zürich, da das für Frauen in Deutschland zu diesem Zeitpunkt nicht möglich war. Als erste Frau bestand sie das Diplom-Examen für das höhere Lehramt. Bereits in diesen Jahren begann sie zu schreiben, zunächst Gedichte, später jedoch zunehmend Romane und vor allem historische Werke, die zwischen Geschichtswissenschaft und Literatur angesiedelt sind. Ricarda Huchs literarisches Werk ist äußerst umfangreich und von thematischer wie stilistischer Breite.

Als erste Schriftstellerin wurde Ricarda Huch in die am 26. Oktober 1926 gegründete Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste gewählt. Im August 1931 erfolgte die Verleihung des Goethepreises. Sie trat im Frühling 1933 aus Protest gegen den Ausschluss von Alfred Döblin aus der gleichgeschalteten Akademie aus, da sie, wie sie schrieb „...verschiedene der inzwischen vorgenommenen Handlungen der neuen Regierung aufs schärfste mißbillige“. 1934 erschien der erster Band ihrer „Deutschen Geschichte“, der durchaus als kritsch von Seiten der Nationalsozialisten wahrgenommen wurde, der dritte Band erhielt 1937 keine Druckerlaubnis. Ihr hoher – auch internationaler – Bekanntheitsgrad schützte sie vor einer direkten Verfolgung durch die Nazis. Nach 1945 versuchte sie in ihren letzten Jahren den Frauen und Männern des deutschen Widerstands - in Form von Biographien - ein Denkmal zu setzten, was ihr in Bezug auf die Weiße Rose und die Geschwister Scholl auch noch gelang.

Auf dem 1. deutschen Schriftstellerkongreß am 4. Oktober 1947 in Berlin nahm sie eine Standortbestimmung gegen einseitigen Nationalismus und für nationale Identität vor: "Ich habe Geschichte studiert und kenne nicht nur die Geschichte unseres eigenen Volkes, sondern auch die der anderen Nationen gut; ich habe jahrelang in der Schweiz gelebt und fühle mich dort zuhause; ich war mit einem Italiener verheiratet, und ich habe sehr gerne in Italien gelebt; all diese Umstände haben bewirkt, daß ich ganz frei von einseitigem Nationalismus bin, aber national fühle ich durchaus."